Rock meets Jazz

„Ausdruck einer wunderbaren kulturellen Vernetzung“

Unter dem Titel «ROCK meets JAZZ» luden die Musikinitiative «Hürth Rockt e. V.» und der «Jazzclub Hürth e. V.» in das Berli Theater auf der Wendelinusstraße zu einem Gipfeltreffen junger Rock- und Jazz-Formationen. Das kleine, aber feine Lichtspielhaus mit dem unverwechselbaren Charme der Fünfzigerjahre war vollkommen ausverkauft, was die Macher der beiden Vereine natürlich besonders freute.

Vor Beginn des Konzerts begrüßten Max Schrebb, Erster Vorsitzender von Hürth Rockt, sowie Günter Reiners, Vorsitzender des Hürther Jazzclubs, das erwartungsvoll gespannte Publikum und unterstrichen ihre Zufriedenheit über die unkomplizierte Zusammenarbeit der beiden Vereine. Mit einem Augenzwinkern meinte Max Schrebb, dass die Gäste bei den Auftritten der Rockbands gerne tanzen dürften, es gäbe beim Jazz ja genug Gelegenheit wieder zu sitzen. Schnell wurde jedoch deutlich, dass es das Publikum ganz unabhängig von dem gerade auf der Bühne gebotenen Genre immer wieder aus den bequemen Kino-Sesseln trieb, um die Musik in Bewegung umzusetzen.

Verträumte Dialoge

Das Programm wurde lautstark durch die junge Hürther Indie- und Alternative-Rock-Band «Oslo» eröffnet. Die Formation aus Frederick Beule (Gesang, Gitarre), Lukas Ophoven (Schlagzeug), Florens Fritsche (Gitarre) und David Ingenerf (Bass) startete zunächst mit der deutschsprachigen Nummer «Millionen Lichter», wechselte danach mit Liedern wie «Wait In Vain» und «All We Do» aber ins englische Idiom. Abgesehen von der unverkennbaren Ähnlichkeit des Sängers mit Kurt Cobain erinnerte auch die Musik von «Oslo» an den kratzigen, aufgerauten Stil, mit dem die Kult-Band «Nirvana» in den Neunzigerjahren das Lebensgefühl einer ganzen Generation zum Ausdruck brachte. Während des kurzen Umbaus schwärmte André Jansen, Juniorchef des Berli Theaters, von der Veranstaltung: „Diese gemeinsame Initiative von Hürth Rockt und dem Hürther Jazzclub finde ich eine großartige Idee. Wenn man sich das Publikum des heutigen Abends anschaut, reicht die Alterspanne von Anfang 20 bis Ende 70. Und alle sind begeistert. Ich finde, ein solches Event, sollte man unbedingt im kommenden Jahr wiederholen!“

Auf der Bühne hätte der Kontrast nach dem Umbau kaum größer sein können. Das aus Ferdinand Schwarz (Trompete), Paul Prassel (Gitarre), Luca Müller (Bass) und Levin Gjakonovski (Schlagzeug) bestehende Jazz-Ensemble «The dudes quartet» ließ in durchaus eigenwilligen Kompositionen viel Spielraum für solistische Aktion und hervorragendes Ensemblespiel. Immer wieder ließen Stücke wie «Stadt Land Fluss», «Haltestelle», «Hyperballad» oder «Pink Savanna» Raum für intime, stille Momente, während die Musiker weite Klangräume spannten und sich auf verträumte Dialoge einließen, die auch Kenner mit einer für das junge Alter der Musiker erstaunlichen Reife überraschten.

Wahres Feuerwerk an bekannten Hits

Im Anschluss an diesen Jazzgenuss konnte nur ein radikaler Bruch folgen. Und den besorgte die von Max Schrebb angeführte Pop/Rock-Coverband im besten Sinne mit einem wahren Feuerwerk an bekannten Hits. Maren Schrebb interpretierte Klassiker wie «Eye Of The Tiger» (Surviver), «Easy Lover» (Phil Collins) oder «What A Feeling» mit tatkräftiger Unterstützung von Max Schrebb (Bass, Gesang), Georg Sommer (Gitarre), Thomas Strauch (Gitarre), Lukas Diehl (Keyboard) und Robert Geisler (Schlagzeug). Spätestens bei der BAP-Hymne «Verdamp lang her» war das Publikum vollkommen aus dem Häuschen.

Erst gegen 23 Uhr steuerte «ROCK meets JAZZ» mit dem Auftritt der Formation «Pangea Ultima» auf das große Finale zu. Das um den Kölner Gitarristen José Díaz de León gruppierte Ensemble spielt mit seinem Namen auf den Superkontinent an, der sich bedingt durch die Kontinentaldrift innerhalb der nächsten 250 Millionen Jahre bilden dürfte. Aus allen Kontinenten stammen die Einflüsse, die José Díaz de León (Gitarre, Tres Cubano, Gesang, Komposition), Daniel Manrique-Smith (Flöte, Gesang) Roman Fuchß (Bass), Antonio Fusco (Schlagzeug) und Christian Fehre (Congas, Yambú, Pandeiro) in ihrer Musik mischten. Die Stücke des Abends, die aus dem «Pangea Ultima»-Album «Espacios abiertos» (Offene Räume) stammen, bedienten sich der Sprache des Jazz, um lateinamerikanisches Temperament, indische Inspirationen, afrikanischen Rhythmen, und europäische Harmonik zu einer aufregend groovigen, absolut aktuellen Weltmusik zu verbinden. Unter anderem erklangen feurige Eigenkompositionen Díaz de Leóns sowie Klassiker aus Jazz und lateinamerikanischer Musik wie Miles Davis’ «Solar» und die Zamba «Alfonsina y el mar» (Ariel Ramírez), in der sich Díaz de León auch als gefühlvoller Sänger zeigte.

Nach über vier Stunden Musik ging der Abend unter dem tosenden Beifall des Publikums zu Ende. Und Günter Reiners freute sich, verkünden zu können, dass er sich zwischenzeitlich mit André Jansen und Max Schrebb darauf geeinigt hatte, «ROCK meets JAZZ» im nächsten Jahr im Berli Theater fortzusetzen. Maria Rasmussen, Leitung des Bürgerhauses Hürth, freute sich über die Ankündigung: „Dieses Projekt ist Ausdruck einer wunderbaren kulturellen Vernetzung. Das genre- und generationsübergreifende Programm hat ganz unterschiedliche Menschen in diese tolle Location geführt und miteinander feiern lassen. Und daran, dass die Veranstaltung ausverkauft worden ist, sieht man wieder einmal: Hürth braucht Kultur und Hürth liebt Kultur. Schön, dass es im nächsten Jahr eine zweite Ausgabe von «ROCK meets JAZZ» geben wird.“

Zurück